

Wer nicht über einen 35mm-Projektor verfügt, ist bei der Kinoarbeit auf die DVD als Medium angewiesen. Nur wenige neue Filme erscheinen noch im 16mm-Format. Die Vorführung mit den Bauer–, Bell & Howell- und Eiki-Maschinen hat heute bereits einen nostalgischen Effekt und damit auch ihren besonderen Reiz bekommen. Auf der anderen Seite werden die Video-Projektoren jährlich lichtstärker und preisgünstiger. Zur Zeit ist ein 2000 ANSI-Lumen heller Beamer schon ab 500 EUR zu haben, ein HD-Beamer (High Definition/hochauflösend) ab 1000 EUR.
Bei wahren Filmfreunden ist die Qualität der DVD wegen der begrenzten Bildauflösung nicht beliebt, eine Vorführung ohne den ratternden Projektor scheint zudem kein "richtiges" Kinoerlebnis zu ermöglichen. Warum soll aber andererseits bei der Projektion nicht möglich sein, was beim Dreh immer mehr Standard wird: der Gebrauch des digitalen Mediums? Die Auflösung der DVD ist mit 720x576 Bildpunkten immerhin doppelt so hoch als bei der VHS-Cassette. Künftig wird zudem das HD Format der Blu-ray Disc (BD) immer mehr Bedeutung erlangen. Die BD wird mit einem blauen Laser abgetastet und weist eine Speicherkapazität von bis zu 25 GB je Schicht auf. In der HD-Qualität werden 1920x 1080 Bildpunkte dargestellt, das Bild ist von daher um einiges schärfer.
Die Kinoveranstaltung mit der BD/DVD bringt ein völlig neues "Vorführerlebnis" mit sich. Probleme wie schlechter Ton, Filmrisse, beschädigte Perforation, Klebestellen oder Laufstreifen gehören der Vergangenheit an. Doch auch die moderne Technik hat ihre Tücken und Überraschungen parat. Aus unserer siebenjährigen DVD-Vorführerfahrung mit dem Mobilen Kino Niedersachsen können wir einige Tipps geben, die euch die Arbeit mit dieser Technik erleichtern sollen.
Über Ergänzungen und Kommentare freuen wir uns ().
Lest die Gebrauchsanweisung durch. So banal dies klingt, es kann helfen, einigen Ärger zu vermeiden.
Gute Qualität erreicht ihr, wenn ihr den DVD-Player mit dem S-VHS-Kabel an den Beamer anschließt. Gegenüber dem Cinch-Anschluss werden hier das Farbsignal und das Helligkeitssignal getrennt übertragen, daher ist das Bild schärfer. Bessere Qualität wird mit der 'Progressive-Scan'-Darstellung erzielt. Hierbei werden anstatt der üblichen Fernsehnorm-Halbbilder (Interlace-Zeilensprungverfahren) die auf der DVD abgelegten Vollbilder dargestellt und digital über einen DVI oder HDMI-Ausgang übertragen. Sowohl der Player als auch der Beamer müssen allerdings in der Lage sein, diese Signale zu verarbeiten, also mit einem entsprechenden Aus- bzw. Eingang versehen sein und das kopiergeschützte Signal des HDCP-Chips lesen können. Bei einem Komponenten-Ausgang wird das Progressive-Bild analog übertragen, muss also überflüssiger Weise jeweils im Player und Beamer gewandelt werden.
Das beste Bild ist mit einem Blu-ray Player und einem Full HD-Beamer sowie der Übertragung mit einem HDMI-Kabel zu erreichen. Hier wird eine fünfmal höhere Auflösung als bei der herkömmlichen DVD dargestellt. Die Geräte benötigen jedoch eine deutlich längere Start- und Einlesezeit, hier darf man nicht ungeduldig sein.
Wichtig ist, dass sowohl Blu-ray Player als auch HD-Beamer den 24p-Modus verarbei-ten können. Gegenüber den 50 Bildern/Sekunde des PAL-Formats auf der DVD werden die Filme auf der Blu-ray Disc wie im Kino mit 24 Hz bzw ganzen Vielfachen von 24 dargestellt (48 oder 72). Wenn nun der Player oder Beamer dies nicht lesen kann, rechnet er die 24 Bilder auf die 50 des PAL-Formats oder die 60 Bilder des amerikanischen NTSC-Formats um. Dabei entsteht aber ein Ruckeln im Bildfluss, das die hohe Auflösungsqualität des Filmbildes wieder empfindlich stört. Um dieses Problem noch komplizierter zu machen ist zu beachten, dass manche Fabrikate nicht gut miteinander harmonieren, so dass ein Ruckeln entsteht, obwohl Player und Beamer auf den 24p-Modus engestellt sind. Dies ist am Besten beim Kauf der Geräte durch einen Testlauf auszuschließen. Eine Blu-ray Player/HD-Beamer Anlage hat den Vorteil, dass herkömmliche DVDs auf das hochauflösende Format hochgerechnet werden können. So wird auch dieses Bild verbessert dargestellt.
Es empfiehlt sich, die Disc ohne Publikum bereits eingelegt und an den Filmanfang gesetzt zu haben und sie dann mit der Pausen- oder besser – wie bei den meisten Geräten vorhanden – der "Resume-Stop"-Funktion (ein Mal auf "Stop" drücken) anzuhalten. Die Vorführung kann jetzt lediglich mit Drücken der Start-Taste begonnen bzw. fortgesetzt werden. Eine Taschenlampe ist unverzichtbar, um die Tastatur auch bei abgedunkeltem Saal bedienen zu können!
Wer zu Beginn einer Kinoveranstaltung gerne Musik spielt, sollte einen CD-Player oder – besser – einen zweiten BD/DVD-Player benutzen. So ist der Film im ersten Gerät im Pausen-/Resume-Stop-Modus sofort abspielbereit; außerdem ist ein Ersatzgerät vorhanden, falls es tatsächlich zu einer technischen Panne kommen sollte. Bei Preisen von unter 200 EUR (Blu-ray Player) bzw. 100 EUR (DVD Player) für ein Markengerät ist die Anschaffung eines Zweitgeräts sehr zu empfehlen.
Wichtig: Die Fernbedienung. Hier sind Einstellungen wie Sprachversion, Untertitel und Belegung der Ausgänge vorzunehmen. Es wird beispielsweise kein Bildsignal mit dem S-VHS-Kabel übertragen, wenn der RGB-Ausgang eingestellt ist. (Dies kann natürlich auch auf der Beamer-Seite falsch vorgewählt sein). "Intelligente" Geräte suchen sich den belegten Ein- bzw. Ausgang selbst. Das Betätigen der Menü-Taste stoppt die abgespielt BD/DVD. Oftmals wird dabei auf Anfang zurückgeschaltet. Untertitel und Sprachversion lassen sich dagegen auch durch eine spezielle Taste an der Fernbedienung (Subtitle, Audio) ohne Unterbrechung des Films verändern
Das Bildformat des Films ist ein weiterer Parameter, der nicht immer ohne Zutun passend beim Player eingestellt ist. Im Normalfall ist "16:9" (bei einem Beamer mit 16:9 Panel) oder "Letterbox" (bei einem Beamer mit 4:3 Panel) zu wählen, wenn das vollständige Bild erscheinen soll. Bei "Pan Scan" werden breitformatige Filme auf das ganze Panel eines 4:3 Beamers hochgezogen, hier wird aber links und rechts ein Teil des Bildes abgeschnitten. Bei falschen Voreinstellungen kann es zu Verzerrungen im Bild kommen, wenn z.B. ein 16:9 – Beamer einen 4:3 Film auf das volle 16:9-Format zieht. Hier muss beim Player die Einstellung "Squeeze" gewählt werden, damit das Bild wieder auf sein natives Format "zusammengedrückt" wird. Dies ist bei älteren Filmen wie den Pippi Langstrumpf-Titeln der Fall.
Bei Neuanschaffungen von Leinwänden ist unbedingt zum 16:9-Format zu raten. Fast alle Filme werden in diesem oder sogar im noch etwas breiteren Cinemascope-Format dargestellt. Auch der Beamer sollte bei einer Neuanschaffung ein 16:9 Panel aufweisen, also nicht lediglich eine 16:9 Umschaltmöglichkeit. Dadurch nutzt ihr die Lichtleistung am Besten aus.
Bei Absturz der Datenübertragung, Stromausfall oder einer anderen Panne kann die unterbrochene Stelle mit dem Such/Direkt-Modus "Zeit" auf die Sekunde genau wieder aufgefunden werden. Damit ihr wisst, welche Zeit des Films abgelaufen ist, muss die Anzeige im Display des Players nicht auf Kapitelnummer mit Kapitelzeit, sondern auf die insgesamt abgelaufene Zeit des Films eingestellt sein. Wer eine Vorstellung mit Publikum durchführt, sollte stets in etwa orientiert sein, in welchem Zeitabschnitt der Film gerade läuft.
Leider sind die Menüs auf der BD/DVD nicht genormt. Es können also einige Überra-schungen auftreten, die man vor dem Publikumseinlass mit etwas Zeit und Ruhe ohne weiteres in den Griff kriegen kann. Peinlich ist natürlich, wenn das Publikum den obligatorischen "Warnhinweis vor einer illegalen öffentlichen Aufführung" zu sehen bekommt, der sich am Anfang der meisten BDs/DVDs befindet. Leider ist dieser Hinweis auch bei nahezu allen Titeln erhalten, die – z. B. beim BJF – mit den entsprechenden Rechten entliehen oder erworben wurden. Nach diesem Hinweis, den man nur selten überspringen kann, landet man meist auf einer Inhaltsseite, von der aus der Film unter "Filmstart" oder "Hauptfilm" mit der Start- oder Enter-Taste begonnen werden kann. Bei einigen Discs kann man durch zweimaliges Drücken der Stop-Taste und dann wieder der Start-Taste gleich am Anfang beim Erscheinen der Warnhinweise direkt zum Anfang des Hauptfilms gelangen.
Lästig sind DVDs, die nach jedem erneuten Einlegen wieder in englischer Sprache starten, wie dies bei "Tiggers großes Abenteuer" der Fall sein kann. Bei "Tigger..." taucht beispielsweise gleich zu Anfang im Bild die Wahlmöglichkeit Deutsch/ Englisch auf. Später ist im Menü keine Sprachumschaltung mehr vorgesehen. Eine andere Unwägbarkeit tritt bei "Casablanca" auf. Hier kann die Sprache nur bei laufender Disc geändert werden. Bei den "Wilden Kerle 2" läuft der Hauptfilm immer mit Untertiteln an, auch wenn er mit der Stop-Taste zurückgesetzt wird. Hier muss nach dem Start schnell die Untertitelung ausgeschaltet und dann der Film mit Pause/ Resume-Stop angehalten- oder der angelaufene und eingestellte Film mit der Skip-Taste zurückgesetzt werden.
Beim Einstellen des Audio-Signals ist die verwendete Tonanlage zu berücksichtigen. "MPEG Dolby 5.1" solltet ihr nur bei angeschlossener Surround-Anlage anwählen. Eine normale Stereo-Verstärkeranlage wird Nebengeräusche hier unverhältnismäßig laut und die Sprache zu leise wiedergeben. In diesem Fall muss "MPEG Dolby-Stereo" gewählt werden.
Die BD/DVD besteht aus zwei Schichten, die vom Laser abgetastet werden, eine licht-durchlässige untere, und eine obere Schicht. Beim Umschalten des Players von der einen zur anderen Schicht kann es vorkommen, dass das Bild einen Moment anhält, bevor der "zweite Teil" weiterläuft. Diesen Punkt habt ihr dann immer an der gleichen Stelle im Film, er ist nicht mit einer fehlerhaften Datenübertragung zu verwechseln.
Normalerweise ist die DVD nur auf der unbedruckten Seite doppelt beschichtet. Es gibt aber auch zweiseitige DVDs, die gewendet werden können. Bei "Pokemon 2" liegt beispielsweise die deutsche und englische Version des Films auf je einer Seite. Wer das nicht weiß, kann im Menü lange nach der deutschen Fassung suchen.
Zur Bildqualität bleibt abschließend zu sagen, dass sie bei der DVD von Film zu Film unterschiedlich ausfällt. Das liegt an der Abtastdichte bei der Digitalisierung. Bei Titeln wie "Tobias Totz und sein Löwe" hilft auch nicht der beste Player/Beamer, bei "Chocolat" ist die Qualität dagegen erstaunlich gut. Blu-ray Discs sind immer von einer bestechend scharfen Bildqualität.
Zunächst stellt sich die Frage nach der Darstellungstechnologie: ein LCD oder ein DLP Beamer? Die traditionelle Technik ist das Durchleuchten von Flüssigkeitskristallen (Liquid Crystal Display). Hier sind drei Panels in den RGB-Farben (Rot Grün Blau) vorhanden, die im Farbadditionsverfahren alle Farbtöne gleichzeitig darstellen können. Beim Digital Light Processing besteht das Panel aus winzigen Spiegeln, die beim entsprechenden Farbsignal hoch- oder weggeklappt werden. Hier werden die RGB-Farben nacheinander in schnellem Wechsel auf die Spiegel gestrahlt. Durch die Trägheit des menschlichen Auges wird diese sukzessive Farbdarstellung kaum bemerkt. Sie ist aber trotz hoher Frequenz erkennbar, man bemerkt sie am Regenbogeneffekt, den man im Bild erkennt. Hat man diesen Regenbogen erst einmal "entdeckt", sieht man ihn permanent, was sehr nervtötend ist. Ich rate daher zu LCD-Beamern, dies ist eine solide und robuste Technologie, auch wenn der Kontrastwert nicht an den der DLP-Beamer heranreicht.
Das Panel des Beamers muss im 16:9 Format sein. Es sollte eine WXGA-Auflösung aufweisen, also 1280 x 720 Bildpunkte, damit ihr 720p (progressive) darstellen könnt. Besser wäre ein Beamer mit HD-Auflösung von 1920 x 1080 Bildpunkten und dem 24p-Modus (siehe Blu-ray Player).
Der Beamer muss unbedingt einen DVI- oder HDMI-Eingang aufweisen, damit die pro-gressiven Vollbilder vom BD/DVD-Player digital übertragen werden können (s.o). Die Qualität ist um einiges besser. Neben der größeren Bildschärfe ergeben sich bei Kamerabewegungen oder Bewegungen im Bild keine abperlenden oder flimmernden Kanten mehr, das Bild steht klar, und auch die Abspanntitel sind ohne Flimmern zu lesen.
Wünschenswert ist die Möglichkeit, die Objektive auszutauschen. Meist ist ein Weitwinkelobjektiv eingebaut, das für Vorträge geeignet ist, aber nicht für Filmveranstaltungen. Wenn ihr also nicht mitten im Publikum stehen wollt, müsst ihr ein Teleobjektiv einsetzen.
Der Beamer sollte lichtstark sein und mindestens 2000 Lumen aufweisen. Bei Leinwänden ab 4m Breite sollten Beamer mit 3000 Lumen und mehr verwendet werden.
Der Beamer sollte eine vertikale Lens-shift-Funktion haben. Damit kann das Bild hoch und runter gefahren werden, ohne den Beamer zu kippen und das Bild zu verzerren. Bei horizontalem Lens-shift kann das Bild auch nach links und rechts verschoben werden, falls der Standort des Beamers nicht in der Mitte vor der Leinwand gewählt werden kann.
Ich wünsche eine erfolgreiche Aufführung.
Bernhard Gorka, Mobiles Kino Niedersachsen
Siehe auch: Wie 16mm-Filme behandelt werden sollten