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Filme für Kinder und Jugendliche
BJF-Clubfilmothek

Das Autogramm

Originaltitel: L'Autographe
Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, 1984
Regie: Peter Lilienthal
Drehbuch: Peter Lilienthal, nach einem Roman von Osvaldo Sorriano
Kamera: Michael Ballhaus
Musik: Juan José Mosalini
Darsteller*innen: Juan José Mosalini, Angel del Villar, Anna Laretta, Georges Geret, Hanns Zischler
Produktion: PROVOBIS, Von-Vietinghoff-Filmproduktion, Euro-American-Films (Paris), ZDF
BJF-Empfehlung: ab 14 Jahren, FSK: ab 12 freigegeben (besonders wertvoll)
Länge: 92 Minuten
Spielfilm, Farbe


Lilienthals vierter Film über politische Unterdrückung und die Chancen des Widerstands in Lateinamerika führt zwei unpolitische Menschen zusammen, die sich in Konfrontation mit den Machthabern entscheiden müssen, auf welcher Seite sie stehen wollen:
Zwei gegensätzliche Charaktere, Daniel Galvan, ein Bandoneonspieler und der Boxer Toni Rocha kommen in eine lateinamerikanische Provinzstadt. Sie sollen dort bei einem Volksfest auftreten. Der Kommandant des Ortes will Harmonie zwischen den regierenden Militärs und der Bevölkerung vortäuschen. Dr. Gallo, ein einflussreicher Rechtsanwalt im Ort, lädt die beiden Artisten in seine Villa ein. Dort verlieben sich der Boxer und die von der Außenwelt hermetisch abgeschirmte Tochter des Rechtsanwalts ineinander, können ihre Liebe jedoch nicht offen ausleben. Obwohl die beiden Gäste ausdrücklich davor gewarnt werden, sich mit der Bevölkerung einzulassen, erfährt Galvan in einem Café durch die Bewohner des Ortes von den Gräueltaten der Junta. Als er sich deshalb weigert, einer Zivilstreife ein Autogramm zu geben, kommt es zu einer Auseinandersetzung. Rocha eilt seinem Kollegen zu Hilfe und wird an der Hand verletzt. Er ist nun gegenüber seinem späteren Gegner im Ring, einem Offizier der Junta, benachteiligt, glaubt aber immer noch an einen fairen Kampf.

Pressezitate:
"Peter Lilienthal liebt nicht die große Geste des Kämpfers. Und selbst wenn er sich auf ein weltbewegendes Thema einlässt - wie in LA VICTORIA auf das Chile der Allendezeit oder in DER AUFSTAND auf die Revolution in Nicaragua - dann sucht er nicht nach den treibenden Kräften, sondern nach denen, die mitgetrieben werden oder sogar abseits stehen. An ihnen, den Alltäglichen und an Alltäglichkeiten reflektiert er die großen Prozesse und die menschenmordenden Systeme. Darin liegt die Qualität seines Kinos, das sich nicht als Plakat lesen lässt, nicht auftrumpft, nicht überrumpelt, sondern Konzentration aufs Detail verlangt, auf die scheinbar nebensächliche Geste, die Randfigur, das sich manchmal erst auf den zweiten Blick erschließt."
(Peter B. Schumann, epd Film 10/ 84)

"Die zurückhaltend inszenierte Studie zweier "unpolitischer" Menschen, die mit den Ansprüchen eines faschistoiden Herrschaftssystems konfrontiert und zur Überprüfung ihrer Einstellung herausgefordert werden; streckenweise dramaturgisch hölzern, aber überzeugend in der einfühlsamen Charakterzeichnung.”
(Lexikon des internationalen Films)

"Überall in Lilienthals Film herrscht, (...) Gewalt. Sie hat nichts Spektakuläres an sich, sie ist selbstverständlich und hat sich von 'oben nach unten‘ bis in die privaten Beziehungen hinuntergefressen. Und so als ob die Autoren auch nicht mehr an die so häufig beschworene Karft der Solidarität glauben würden, haben sie ihr auch nur einen Augenblick des Films gewidmet: die letzte Szene, als der Boxer aus seiner Ohnmacht im Zug erwachend seinen Kumpanen ansieht, zwinkert, und der sein Bandoneon herausnimmt. Sehr zerbrechliche Gesten."
(tip 4/84)

"Peter Lilienthal, der 1979 für sein NS-Drama DAVID in Berlin einen Goldenen Bären erhielt, beschäftigt sich in dieser zurückhaltend inszenierten Charakterstudie mit den Auswüchsen faschistoider Herrschaftssysteme auf eigentlich 'unpolitische‘ Menschen."
(TV Spielfilm)

 

Gefördert vom

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend