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Filme für Kinder und Jugendliche
BJF-Clubfilmothek

Aviyas Sommer

Originaltitel: Hakayitz shel Aviya
Israel, 1988
Regie: Eli Cohen
Drehbuch: Gila Almagor, Haim Buzaglo, Eli Cohen, nach dem Buch von Gila Almagor
Kamera: David Gurfinkel
Musik: Shem-Tov Levi
Darsteller*innen: Gila Almagor, Kaipo Cohen, Eli Cohen, Avitel Dicker, Rami Baruch
Produktion: Eitan Evan/ H.S.A. Ltd.
BJF-Empfehlung: ab 14 Jahren, FSK: ab 6 freigegeben
Länge: 95 Minuten
Spielfilm, Farbe


Ein kleines Dorf bei Tel Aviv im Jahre 1951. Die zehnjährige Aviya kehrt aus dem Kinderheim zu ihrer Mutter Henya zurück. Henya verlor als Partisanin im Zweiten Weltkrieg ihren Mann, noch bevor die Tochter geboren wurde. Sie überlebte den Naziterror in Polen und emigrierte mit Aviya nach Israel. Die Folgen der Angst und der Misshandlungen haben Henya gebrochen und ihre Gesundheit ruiniert. Traumatisiert von den Leiden des Holocaust verbrachte sie lange Zeit in einer Nervenklinik. Aber nun fühlt sie sich stark genug, um mit ihrer Tochter auf eigenen Beinen zu stehen.
Henya verdient ihr Geld als Wäscherin. Bei den Nachbarn gilt sie als Außenseiterin und auch Aviya wird von den anderen Kindern gemieden. Sensibel und voller Fantasie versucht Aviya ihre Mutter zu verstehen, die immer noch einen aussichtslosen Kampf gegen die Erinnerung führt. Noch stärker sehnt sich Aviya nach ihrem Vater, den sie nur von Fotos kennt. Als sie Herrn Gantz, den neuen Nachbarn kennenlernt, glaubt sie, in ihm ihren Vater wiedergefunden zu haben. Obwohl Herr Gantz eine eigene Familie hat, steigert sich Aviya immer mehr in ihren Wunschtraum hinein. Die Missverständnisse, die sie damit hervorruft, sind nur ein Glied in der Kette von Demütigungen und Enttäuschungen, die die Kräfte ihrer Mutter übersteigen. Als der Sommer zu Ende geht, muss Henya wieder ins Krankenhaus und Aviya kehrt ins Kinderheim zurück.

"Der Film behandelt ein in Israel lange tabuisiertes Problem: die Schwierigkeiten der Überlebenden des Holocaust, mit ihren Schreckenserinnerungen in der im Aufbau begriffenen israelischen Gesellschaft weiterzuleben. Im Spannungsfeld von Mutter und Tochter lässt der Film die psychologischen Verheerungen spürbar werden, die nicht nur die Holocaust-Opfer selbst erfuhren, sondern die sie als Trauma an ihre Kinder weitergeben." (Irene Schoor, KJK 54/ 93)

Auszeichnungen: Berlin 1989 , "Siberner Bär" für hervorragende Einzelleistungen

Pressezitate:
“Mit dem genauen Blick, mit dem Kinderaugen die Welt betrachten, gibt Aviyas Sommer Zeugnis von der kollektiven Verdrängung, die bis in die Gegenwart Spuren in der israelischen Gesellschaft hinterlassen hat.”
(Irene Schoor, KJK)

„Aviyas Sommer ist bewegend, Szene für Szene, während eine gesellschaftspolitische Phase zwischen dem Holocaust und der Gründung des Staates Israel beschrieben wird.“ (Davar)

„Gila Almagor in der Rolle einer Wäscherin im Israel der fünfziger Jahre, die von der Erinnerung an den Holocaust gequält wird. Zusammen mit dem israelischen Film Wegen dieses Krieges ist es der wichtigste Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung im Lande.“
(Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, 21.2.1992)

„Die beiden Filme - Aviyas Sommer und Unter dem Maulbeerbaum - fügen sich zu einem großen Epos der israelischen Zeitgeschichte zusammen. Sie werfen zugleich einen kritischen Blick auf die Zeit nach 1950 in Israel, dargestellt an den Lebensgeschichten von jungen Leuten und deren Bemühen, ihren Platz im soeben gegründeten israelischen Staat zu finden. Die Filme greifen aber auch so zentrale Themen für Jugendliche auf wie Identitätssuche, Fragen nach der Herkunft, den eigenen Wurzeln, eigenständigem Handeln und gestalten sie in einer filmsprachlich zurückhaltenden, aber eindrucksvollen Art, deren Wirkung sich die Zuschauer nicht entziehen können.“
(FWU Magazin 1/98)

"Ein sehr persönlicher, bewegender Film über eine Frau, die zur Außenseiterin wird und die Realität vollends aus den Augen zu verlieren droht; getragen von glänzenden Schauspielern entwickelt sich ein bewegender Film mit einer ungewöhnlich interessanten Thematik, dessen bescheidener produktioneller Aufwand den gelungenen Filmerlebnis keinen Abbruch tut."
Lexikon des internationalen Films 2000/2001 (CD-ROM)

 

Gefördert vom

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend