Filmkatalog - Filme für Kinder und jugendliche - BJF-Clubfilmothek - Filme für nichtgewerbliche öffentliche Vorführungen Bundesverband Jugend und Film e.V.
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Kenny

Originaltitel: The Kid Brother
Kanada/ Japan/ USA, 1987
Regie: Claude Gagnon
Drehbuch: Claude Gagnon
Kamera: Yudai Kato
Musik: François Dompierre
Darsteller: Kenny Easterday, Caitlin Clarke, Liane Curtis, Zach Grenier, Easterday jr.
Produktion: Yoshimura/ Gagnon/ Toho/ Kinema Amerika
BJF-Empfehlung: ab 10 Jahren, FSK: ab 6
Länge: 95 Minuten, Dokumentarischer Spielfilm Farbe dtF

KENNY ist die Geschichte eines 13jährigen Jungen, der ohne Beine auf die Welt gekommen und trotzdem in der Lage ist, sich genauso schnell zu bewegen, wie ein 'normales' Kind, nur eben anders. Kenny Easterday spielt im Film sich selbst. Er lebt mit seiner Familie in Pittsburgh, einem kanadischen Provinznest, in das (im Film) ein französisches Fernsehteam reist, um die Familie Easterday zu portraitieren. Kenny verbringt seine Freizeit wie die meisten anderen Kinder auch - und dennoch ist er ihnen nicht gleich. Dem Zuschauer ergeht es zunächst ähnlich wie Kennys Mutter, die sich an ihre Gefühle erinnert, als sie mit der Tatsache der Behinderung ihres Kindes konfrontiert wurde. Auch der Zuschauer braucht Zeit, um den Anblick eines Menschen ohne Beine und ohne Unterleib zu ertragen. Dabei wird Kenny weder bedauert noch idealisiert, sondern so gezeigt, wie er ist. Ein Junge, der mit seiner Behinderung lebt, der gelernt hat, sich mit großer Selbstverständlichkeit mit den Händen und seinem Rumpf fortzubewegen, und der es ablehnt, Prothesen zu tragen, die ihn erst zu einem Behinderten machen.
Im Film erläutert ein Arzt, wie es zu Kennys Behinderung gekommen ist: Kenny wurde mit verstümmelten Beinen und ohne Nervensystem im Unterleib geboren. Außerdem fehlte die Wirbelsäule unterhalb des Brustkorbs. Ein halbes Jahr nach der Geburt entschlossen sich die Ärzte zur Operation. Die Beinstummel wurden entfernt. Mit den Schienbeinen verlängerte man die Wirbelsäule und befestigte das Becken daran. So sind Leber, Nieren und die anderen Unterleibsorgane geschützt. Darm und Blase enden allerdings in einem künstlichen Ausgang.

"So wie die Mutter langsam gelernt hat, den Jungen anzunehmen, lernt der Zuschauer das in gleicher Weise. Und Kennys Spontaneität und Selbstsicherheit machen es leicht, sich mit ihm zu beschäftigen. Je näher man Kenny kennenlernt, wie er unbekümmert und lebenslustig, aber auch traurig und nachdenklich sein kann, um so weiter tritt die Körperbehinderung zurück, wird unwichtig. Daß Menschsein mehr ist als einen gesunden Körper zu haben, macht dieser Film auf eindringliche Weise deutlich." (Hans Strobel, Kinder- und Jugendfilm-Korrespondenz 34/ 88)

Pressezitate:
„Gagnons Film (...) stellt Kenny weder als Krüppel noch als Exoten zur Schau. Voyeurismus, Unbehagen und Mitleid verschwinden aus den Blicken der sogenannten ‘Normalen’.”
(taz, 15.3.1990)

“Kenny ist sehr rührend und profihaft gemacht. Ich fände es wichtig, wenn dieser Film von vielen, besonders jungen Leuten gesehen wird. Er hilft unserem Verständnis für solche schrecklichen Verkrüppelungen, er hilft auch den ganz natürlichen ästhetischen Widerwillen, den ein normaler Mensch einem Krüppel gegenüber hat, zu überwinden. Ich hoffe, daß die Kinos, trotz des schweren Themas, die Courage haben werden, den Film zu zeigen.”
(Peter Zadek in: AV-Mediendienst-Spezial 2/90)

„Dieser Film hat mich sehr bewegt. (...) Wir alle müssen uns mit Kranken und Behinderten und ihren Problemen auseinandersetzen, müssen sie in unsere Gesellschaft aufnehmen, statt sie als Exoten auszugrenzen. (...) In diesem Sinne, im Sinne aller Minderheiten, zwingt der Film zum Nachdenken und ist gerade in unserer technik- und leistungsbezogenen Zeit sehr wichtig (...).“
(Klausjürgen Wussow in: film-echo Nr. 10 9. März 1990)

„Kenny ist ein Beispiel dafür, wie beeindruckend Kinderfilm sein kann, wenn Themen aufgegriffen und ästhetisch gestaltet werden, die sonst in einem für Kinder gedachten Programm nicht zu finden sind, wenn den Kindern etwas zugetraut wird. Dieser Film bewegt die Menschen, Behinderte wie Nichtbehinderte und leistet einen Beitrag zum Abbau von Vorurteilen gegenüber Behinderten.“
(Hans Strobel, KJK)

 

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Für die meisten Filme können wir nur zeitlich begrenzte Verleih-Lizenzen erwerben. Wichtige Filme versuchen wir aber wieder ins Programm auf zu nehmen.