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Filme für Kinder und Jugendliche
BJF-Clubfilmothek

MPLC-Werbebrief

Information für die Mitglieder des Bundesverbandes Jugend und Film e.V. zu den Rundschreiben der Fa. MPLC Filmlizenzierung GmbH („Motion Picture Licensing Corporation“)

Jugendbehörden und andere Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit erhalten immer wieder Post von der Firma „Motion Picture Licensing Corporation GmbH“ (MPLC), weil sie in ihrer Jugendarbeit öffentlich und nichtgewerblich Filme vorführen. Diese Briefe, das zeigen viele Anrufe von betroffenen BJF-Mitgliedern in der Verbandsgeschäftsstelle, werden leicht so missverstanden, dass solche Filmvorführungen nur mit einem Schirmlizenzvertrag dieser Firma legal wären. Das trifft natürlich nicht zu. Es gibt in Deutschland eine ganze Reihe von Firmen und Organisationen, die Filme ganz legal zur nichtgewerblichen öffentlichen Nutzung anbieten. Dazu zählt auch der Bundesverband Jugend und Film e.V. BJF-Mitglieder, die Filme aus der BJF-Clubfilmothek zeigen, haben von der MPLC GmbH also nichts zu befürchten.

In Ihrem Werbebrief – uns liegt z. B. ein Exemplar vom 6. August 2014 vor – stellt MPLC durchaus korrekt fest, dass man für die nichtgewerbliche öffentliche Vorführung von Filmen eine entsprechende Lizenz benötigt. MPLC weist dann darauf hin: die „Missachtung des Urheberrechts lässt einen Schadenersatzanspruch entstehen und kann darüber hinaus eine Strafverfolgung nach sich ziehen.“ Dann werden die Empfänger aufgefordert, das beigelegte Antragsformular „MPLC Schirmlizenz“ auszufüllen, weil MPLC von „über 500 namhaften Filmproduktionsgesellschaften und unabhängigen Produzenten mit der Vergabe von Lizenzen für öffentliche, nichtgewerbliche Filmvorführungen beauftragt“ wurde.

Beim Anblick dieser Liste von „Studios & Produzenten“, die sich im o. g. Schreiben vom 6. 8. 2014 über acht Seiten erstreckt, gewinnt man leicht den Eindruck, dass alle Filme dieser Welt davon erfasst werden müssten. Tatsächlich sind die meisten dieser „Studios & Produzenten“ in Deutschland aber gar nicht aktiv, ihre Filme sind hierzulande auch nicht erhältlich. In Nr. 5.4. der „Allgemeinen Vertragsbedingungen zur MPLC-Schirmlizenz“ steht: „Es dürfen nur solche Filmtitel (…) verwendet werden, die von der Schirmlizenz umfasst sind.“ Aber eine solche Liste der Filme, die über MPLC lizenziert werden können, gibt es nicht. Wer einen Film mit einer MPLC-Lizenz öffentlich vorführen will, muss z. B. die Firmennamen auf dem Cover der DVD mit der langen Liste „Studios & Produzenten“ vergleichen. Aber selbst wenn eine Übereinstimmung gefunden wird, können die oben genannten Strafen drohen, denn manche Firmenbezeichnungen sind nicht korrekt wiedergegeben, andere können leicht verwechselt werden. Zudem werden Filmrechte laufend und oft paketweise weiterverkauft, so dass zwischenzeitlich z. B. für Deutschland andere Firmen (oder eine Organisation wie der Bundesverband Jugend und Film e.V. – BJF) diese Rechte erworben haben können, was von der „Studioliste“ nicht erfasst wird.

Auf der sicheren Seite ist man mit MPLC bei den Filmen der großen Hollywood-Studios, die ihre Filme weltweit selbst auswerten (20th Century Fox, Columbia Tristar, Disney, MGM, Paramount, Sony, Universal, Warner). Auf der langen Liste der „Studios & Produzenten“ finden sich neben diesen US-Majors lediglich sieben deutsche Filmverleiher, die MPLC gestatten, ihre Filme auszuwerten. Wer als MPLC-Kunde auch Filme jenseits von Hollywood zeigen will, muss daher sehr genau prüfen, welche Filme von der MPLC-Lizenz abgedeckt werden und welche nicht. Eine solche Prüfung erfordert jedoch eingehende Branchenkenntnisse.

Kulturelle Kinder- und Jugendfilmarbeit sieht nach Ansicht des BJF anders aus. Veranstalter von nichtgewerblichen Kinder- und Jugendfilmvorführungen brauchen mehr als eine lange Studioliste. Benötigt werden verlässliche Filmempfehlungen mit Hintergrundinformationen zu den Filmen. Zudem liegt es nicht zuletzt im Interesse der Kinder und Jugendlichen, wenn sie in nichtgewerblichen Vorführungen Gelegenheit haben, auch andere Filme kennenzulernen als die Blockbuster des Vorjahres, die sich inzwischen ohnehin in den Medien-, Super- und Drogeriemärkten stapeln.

Wer sich auf das Nachspielen von Hollywood-Blockbustern verlegen möchte oder sich gut mit Filmen, ihren Produktionsstudios und Vertriebswegen auskennt, kann mit einer „Schirmlizenz“ der MPLC arbeiten. Wer ambitionierte Kinder- und Jugendfilmarbeit pflegen will, wird damit nicht weit kommen.

Der BJF bietet in seiner Clubfilmothek und der verbandseigenen DVD-Edition „Durchblick“ mehr als 500 ausgewählte und hochwertige Filme für nichtgewerbliche öffentliche Vorführungen in Jugendarbeit und Schule an. Die Filme können gegen geringe Gebühren entliehen oder für mehrfache Nutzungen oft auch mit Vorführlizenz gekauft werden. Das Repertoire wird laufend aktualisiert. Alle Filme werden ausführlich vorgestellt, sind mit Altersempfehlungen versehen und können mit Hilfe vielfältiger Themenregister recherchiert werden. Mit dem BJF besteht nichtgewerbliche Filmarbeit nicht nur aus globalem „Family Entertainment“, sondern geht z. B. auf die Filminteressen spezieller Zielgruppen ein, bietet spannende und lustige Filme für Kinder und Heranwachsende jeden Alters, bringt uns andere Kulturen näher oder zeigt die menschliche Seite gesellschaftlicher Probleme. Über das Filmprogramm des BJF informiert der jährlich erscheinende Filmkatalog, aktuelle Ergänzungen liefert alle drei Monate die Verbandszeitschrift BJF-Magazin. Dazu bietet der BJF bundesweit jährlich rund 40 Filmseminare für Fachkräfte der Jugendarbeit, Lehrerinnen, Lehrer und filminteressierte Jugendliche, Teilnahmemöglichkeiten an vielen Filmfestivals in Deutschland und Europa sowie ein umfangreiches Netzwerk mit Rat und Unterstützung in allen Fragen der Kinder- und Jugendfilmarbeit.

 

Reinhold T. Schöffel, Geschäftsführer des Bundesverbandes Jugend und Film e.V.

 

Gefördert vom

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend